• Newsletter

    Shake Hands

    Liebe Leserinnen und Leser, im Januar 2009 ist der erste Newsletter (damals noch Credit Newsletter, ab 2012 dann X-Asset Newsletter) erschienen. In den letzten zehn Jahren habe ich mehr oder weniger erfolgreich versucht, die wichtigsten Einflüsse und Entwicklungen an den Finanzmärkten zu prognostizieren. Manches war zutreffend, vieles habe ich völlig anders eingeschätzt. Soviel bleibt allerdings zu sagen: Auch nach vielen Jahren (um nicht mit dem eigenen Alter zu kokettieren, vermeide ich den Ausdruck „zwei Jahrzehnte“) im Markt bleibt die einzige Konstante die regelmäßige Wiederkehr der Inflationierung von Vermögenswerten und die darauf folgende Anpassung der Märkte in ein neues Gleichgewicht (auch bekannt unter dem Pseudonym „Krise“). Eines ist aber auch offensichtlich: Die aktuelle Gemengelage vor allem auf politischer Ebene war lange Jahre nicht so brisant wie heute und es darf einem durchaus Angst und Bange werden, wenn man die jüngsten geopolitischen Entwicklungen aus ökonomischer Perspektive betrachtet. Vor dem Hintergrund der massiven Regulierungsmaßnahmen seit der Finanzkrise 2007/2008 und der Europäischen Schuldenkrise (2010-2012) sind viele Marktmechanismen außer Kraft gesetzt, die historisch schon den Status von „ökonomischen Naturgesetzen“ hatten. Und das soll nun keine Ausrede sein, aber genau das hat es die letzten Jahre nicht leicht gemacht, Entwicklungen korrekt zu antizipieren.
    Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Lesern bedanken und habe selbst durch Kommentare und Diskussionen viel dazugelernt und teilweise auch meine Sicht revidiert. Aber irgendwann ist es Zeit, sich händeschüttelnd zu verabschieden und da erschien mir dieses Jubiläum ein passender Anlass zu sein. Vielen Dank an alle! Ein letztes Mal werde ich also an dieser Stelle ein paar Überlegungen anstellen u. a. zur Entwicklung in der EU und dem starken Anstieg der globalen Kreditrisiken im letzten Jahrzehnt. Natürlich darf zum Jahresende ein Ausblick auf 2019 nicht fehlen und so viel sei vorweggenommen: Ich werde auch im letzten Newsletter nicht zum Optimisten! Viel Spaß beim Lesen.
    Aber wie es dem Charakter des Neugierigen entspricht, kann ich nicht aufhören, Dinge versuchen zu verstehen. Und da ich nun mal besser verstehe, wenn ich es aufschreibe, wird es ab Januar 2019 einen dann regelmäßig erscheinenden, allerdings kürzer und prägnanter verfassten Nachfolger geben – möglicherweise auch in einem anderen digitalen Format, um auch die nächste Generation anzusprechen, für die Lesen eine recht altmodische Art der Wissensmehrung darstellt. Ich würde mich freuen, wenn auch dieser auf Wohlgefallen stößt und freue mich auf ein neues Format! Bleibt noch allen Lesern frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen, „auf Wiederseh‘n, Good bye!“

    PDF
  • Newsletter

    Zwei kleine Italiener

    Die jüngste Entwicklung in Italien kommt keineswegs überraschend und ist sinnbildlich für die aktuell größte Bedrohung der Eurozone: der Aufstieg populistischer Parteien, die durch propagandistische Wahlkämpfe Mehrheiten hinter sich sammeln können und sich dadurch legitimiert sehen, ökonomischen Unsinn umzusetzen. Derweil ist die grundlegende Problematik an der Italien leidet seit Jahren Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion und auch deren Lösung ist ziemlich offensichtlich. Und diese besteht nicht in einem weiteren Anwachsen der Staatsverschuldung. Die Frage nach einem Schuldenerlass hingegen ist ökonomisch weniger unsinnig als es auf den ersten Blick erscheint – allerdings stellen sich hier die Fragen der damit verbundenen Anreizproblematik und der nach der politischen Durchsetzbarkeit in den europäischen Mitgliedsländern. Die politische Entwicklung in Italien schätzen wir als völlig erratisch ein – und somit auch die potentiellen Effekte auf die Eurozone. Vor diesem Hintergrund hoffen wir nicht, dass sich die zwei kleinen Italiener, Di Maio und Salvini, in Zukunft durch den alten Spliff Song „Carbonara“ legitimiert sehen: „Amaretto ist ein geiles Zeug, ich bin schon lull und lall“. Eine Schlussfolgerung unserer Analyse dürfen wir allerdings an dieser Stelle bereits vorwegnehmen: ein Austritt Italiens aus der Eurozone wird nicht stattfinden.

    PDF
  • Newsletter

    Coolidge

    Wir wollen diesen Newsletter entgegen sonstiger Gewohnheit dieses Mal mit einem positiven Statement eröffnen: „Niemand kann sagen, er hätte es nicht gewusst.“ Die US Administration ist gerade dabei, eine Spirale protektionistischer Maßnahmen loszutreten, die Steuerreform in den USA bedingt v. a. Aktienrückkäufe und nicht zwingend Investitionen und es gibt keine Zweifel mehr, dass die Fed in ihren lange angekündigten Zinserhöhungszyklus eintritt. Zusätzlich schwächt der Ausgang der italienischen Wahlen die EU, die britische Regierung versteht allmählich die Tragweite der Brexit-Entscheidung und der „Flash Crash“ Ende Januar hat uns vor Augen geführt, wie der Mechanismus der nächsten Krise an den Finanzmärkten ablaufen wird. Eigentlich alles gut, außer das eigene Wohlbefinden hängt von einer positiven Entwicklung der Aktienmärkte ab. Credits haben sich indes noch gut gehalten, weshalb eine zentrale Frage dieses Newsletter die nach möglichen Übertragungseffekten sein wird. Und es steht außer Frage, die entscheidenden Impulse werden auch während der nächsten Monate aus Washington kommen. Wir hoffen indes, dass POTUS nicht twittert: “I'm not a cool guy anymore…”, um weitere – vermeintlich die USA stärkende – Änderungen der globalen Wirtschaftsordnung zu verkünden.

    PDF
  • Newsletter

    Augen wie Revolver

    Zugegebenermaßen waren wir für das Jahr 2017 viel zu negativ – trotz einiger durchaus erschreckender Entwicklungen haben sich die Risikoprämien in fast allen Segmenten weiter eingeengt. Das kann sich natürlich auch in 2018 wiederholen – allerdings gibt es unserer Ansicht nach einige gute Argumente, warum die Fragilität des Finanzsystems weiter gestiegen ist. Wir halten hierfür vor allem die hohe Konzentration von Kreditrisiken als ein zentrales Argument und fokussieren uns in unserem Ausblick für 2018 weniger auf die möglichen Auslöser eines exponierten Anstiegs der Risikoprämien, sondern beschäftigen uns mit dem dahinter liegenden Mechanismus. Natürlich wollen wir auch dem diesjährigen Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, Richard Thaler, huldigen und entwickeln angesichts der jüngeren politischen Entwicklungen ein neues Forschungsgebiet der Verhaltensökonomie: die Populistische Ökonomie. Hier sei uns ein gewisser Zynismus verziehen, wenn wir J. M. de Maistre zitieren: „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.“ In anderen Worten: „Im Grunde bin ich glücklich, ich hab es so gewollt …“

    PDF
  • Newsletter

    Baggy Trousers

    Die obigen Textzeilen stammen aus dem Jahre 1981. Nach so langer Zeit wird man etwas altersmilde und würde möglicherweise eine andere Formulierung wählen – aber dem Gedanken kann man nach wie vor zustimmen. Umso erfreulicher ist deshalb, dass in Europa die zarte Knospe der Europaphilie wieder erwacht, was sich auch in den jüngst enttäuschenden Wahlergebnissen europafeindlicher Parteien widerspiegelt. Man sollte allerdings nicht zu euphorisch ein Ende intellektuell ungefilterter Aussagen in sozialen Netzwerken herbeisehnen - aber zumindest darf man darauf hoffen, dass auch hochrangige Politiker den Unterschied zwischen alternativen Fakten und faktischen Alternativen verstehen lernen. Somit widmen wir diesen Newsletter mal wieder der Politik und explizit der Entwicklung in Europa in der Erwartung einer anhaltenden Dominanz politischer Themen in 2017. Außerdem zeigen wir, wie aus Quanto-CDS und Definitionen-Spreads (der neuesten Spielwiese im CDS-Markt) implizite Abwertungserwartungen europäischer Mitgliedsländer nach einem Austritt abgeleitet werden können. Ganz ohne eine Diskussion der Trump‘schen Denkfabrik kommt auch dieser Newsletter nicht aus: Dieses Mal gehen wir auf die Idee der Destination-Based Cash Flow Tax ein. Im Gegensatz zum politischen Tagesgeschäft wenden uns also sachlichen Argumenten zu – ganz nach dem Motto „we refuse to hear their lie“.

    PDF